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Ein Traum und Erinnerungen

Heute morgen bin ich von einem Traum aufgewacht. ich war mit Menschen, die ich mal für Freunde gehalten habe, unterwegs. Ich versuchte immer wieder, den Anschluß zu bekommen, im Gespräch und im Zuwenden - aber es klappte irgendwie nicht. Und am Ende verpasste ich bei der Abfahrt sogar den Bus - sie fuhren mit meinem Gepäck - aber ohne mich davon ....

Es liegt für mich die Botschaft darin, daß es nicht mehr klappen wird, einen wirklichen Kontakt herzustellen zu diesen Menschen - ich hatte das nämlich die letzten Tage irgendwie versucht. Wie ich damit umgehen soll, weiß ich noch nicht, aber ich denke, das wird sich ergeben. Inzwischen tut es nicht mehr so weh, wie damals.

In der Dusche wurde ich dann plötzlich, durch eine Situation, wieder an eine Zeit erinnert, die sehr lange zurückliegt. Als ich 5 Jahre alt war, wurde ich mal für 6 Wochen zur Kur geschickt, in ein Kinderheim. Ich dachte, es ist komisch, an wie viele Dinge man sich erinnert - und solche, die man vergißt.

Ich wurde nicht darauf vorbereitet, daß ich dort hin muß. Meine Mutter hielt es für besser, wenn es überraschend kommt. (ein Punkt, den sie später als "falsch" bekannt hat). So wurde ich zurm Bahnhof gebracht, zu einer kleinen Gruppe von Kindern mit Betreuer in den Zug gesetzt, und ab ging's.

Die Zeit dort war schlimm. Es ging dort zu, wie beim Militär. Schläge gab es auch, aber das war ich von zu Hause gewohnt. Mittagsschlaf war Pflicht. Dann wurden wir ins Bett gepackt und hatten mucksmäuschenstill zu sein. Die Türen der Zimmer standen offen, und Betreuer waren auf den Fluren. Wenn nur ein Bett knarrte, wurde schon gemeckert. Am Besten war es, sich garnicht zu bewegen. - Die Krankenstation dort war auch immer besetzt. Komischerweise hatten ganz viele Kinder zwischendurch einen Furunkel im Gesicht - ich auch. Dann wurde ich ins Bett gepackt, und hatte dort zu ruhen - mehrere Tage. Da der Furunkel am Mund saß, bekam man das "Essen" in einer Schnabeltasse gereicht. - Irgendeine Grippe hatte ich auch zwischendurch, daran erinnere ich mich noch, daß ein großer Junge auch im Zimmer war und lauter Unsinn redete. Schwitzpackungen bekam man dann - das war früher schon üblich, kannte ich von zu Hause. - Ein ganz einschneidender Punkt war das "Klogehen" - das war nämlich auch "eingeteilt. Klar, man konnte auch mal zwischendurch müssen - aber das habe ich irgendwie nicht so auf die Reihe gekriegt, weil ich gewohnt war, mich Ordnungen zu unterwerfen. So war nach jedem Essen offiziel Klogang angesagt. Wir standen in Reihen vor dem Klo, und wer wußte, daß er auch "was Größeres" mußte, der bekam ein Stück Klopapier in die Hand. Mein Problem war, daß ich vorher nicht sagen konnte, ob ich es brauchte. Also konnte ich mich ja auch nicht melden. Wenn ich dann merkte, daß es trotzdem "kam", unterdrückte ich es. Und weil ich mich nicht traute, es zwischndurch zu melden, passierte es dann, daß "es" in der Hose landete. - Aber damit war die Geschichte nicht zu Ende. Denn ich traute mich ja auch nicht, das zu melden. Also versuchte ich immer, beim An- und Ausziehen, hilflos zu tun, damit man mir half, und "es" entdeckt wurde. So habe ich "es" manchmal längere Zeit mit mir herumgetragen. - Einmal, als wir uns alle für ein "Solebad" fertig machen sollten, hatte ich solch ein beschmutzes Hemd an. Als ich es wieder anzog, sagte ein Mädel "einmal tut sie die Kacke nach vorne und einmal nach hinten" - Ich weiß nicht mehr, ob es dann, oder erst später entdeckt wurde. - Das Essen war auch ein Punkt, der in meiner Erinnerung ist. Aber nur das eine, was es komischerweise öfter gab. Das war Makaroni in roter Soße - mit Backobst. Das war so eklig für mich, und viele Kinder mochten das nicht. Aber wir wurden gezwungen, wenigstens einen Teller voll zu essen. Ich habe mir dann eine "Lösung" ausgedacht. Dabei habe ich die Makaronis einfach unzerkaut runtergeschlungen, um den Geschmack nicht zu spüren. Der Erfolg war, daß alles wieder retour kam. Und dann durfte ich vom Tisch aufstehen.

 Ich weiß noch, wie ich meiner Mutter entgegen "geflogen" bin, als sie mich vom Zug abholte. Ich durfte im Bus auf ihrem Schoß sitzen und bekam getrocknete Bananen zu essen.

Ich habe mir später oft Gedanken gemacht, wieso ich so unfähig war, mitzuteilen, was ich brauchte. Oder warum ich nicht z.B. so schlau war, immer das Klopapier zu nehmen. Ich war eben "Ordnung" gewöhnt, wozu der "Kadavergehorsam" gehörte. Aber als Kind denkt man eben einfach. -

Interessant, daß das auch *ich* war. Meine Gefühle in der Zeit weiß ich nicht mehr. Ich finde es sonst interessant, Erinnerungen mit den Gefühlen zu verbinden, an die ich mich erinnere. Aber manche Gefühle sind weg - es ist nur das Geschehen, wie,wenn ich einen Film schaue, an dem ich teilgenommen habe. Hier habe ich noch ein Foto von der Zeit:

18.4.09 09:41
 


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bisher 13 Kommentar(e)     TrackBack-URL


mantodea (18.4.09 13:43)
weshalb wurdest du dorthin geschickt?


Ihaveadream (18.4.09 13:55)
Ich hatte oft Brochitis, die sollte therapiert werden. Es gab Solebäder und Inhalier-Vorrichtungen. An andere "Maßnahmen" erinnere ich mich nicht mehr.


andy55 / Website (18.4.09 17:02)
ist ja tragisch, da wird mir beim lesen übel. aber solche erinnerungen gehen mit durchs leben - ich habe andere, aber auch sehr unangenehme. übrigens vergisst der mensch nichts - es wird oft nur verdrängt.
um solche alten "wunden" aufzuarbeiten, können gute gespräche helfen. brita hat schon mehrmals erlebt, wie jesus solche alten erinnerungen heilte. das soll kein tipp sein, sondern ermutigung.
danke für deine offenheit hier im blog.
gott segne dich,
der verschnupfte andreas


Ihaveadream (18.4.09 17:54)
Hey Andy, du hast recht, solche Erinnerungen begleiten einen durchs Leben. Eine Wunde ist es nicht mehr, soweit ich das empfinde. Ich habe auch schon darüber geredet. Nur, wenn ich so nachdenke, eigentlich nie so zusammenhängend. Drum fand ich es heute, als ich mich erinnerte, mal hilfreich, das alles hier so aufzuschreiben. Manchmal empfinde ich eben auch nur solch einen Blogeintrag ganz hilfreich. Und natürlich dann auch die Reaktionen darauf. Danke dir! LG, Ehrentraut


mantodea (19.4.09 00:35)
Hat es wenigstens geholfen? Mit der Bronchitis meine ich.


Ihaveadream (19.4.09 12:04)
nö - hat nichts gebracht.Meine Mutter sagt, ich wäre ganz dünn gewesen, als ich zurückkam, und gebracht hatb es auch nix.


mantodea (19.4.09 13:11)
Wundert mich wirklich gar nicht. solche Kindheitserinnerungen sind immer ne komische Sache, finde ich. Das ist immer so, als würde man wo zusehen, dabei ist mans doch selbst gewesen.


Ihaveadream (19.4.09 14:39)
Ich denke, das liegt auch z.T. daran, in welchem Alter das passiert ist. In dieser Phase ist eigentlich Vieles auch vergessen. Und bei mir ist das noch über 50 Jahre her.
Komischerweise kann ich mich aber an die Gefühle ab der Teenyzeit noch ziemlich gut erinnern. Was davor geschehen ist, ist für mich ein Film, der scheint, als betrifft er mich nicht - obwohl ich mich an Einzelheiten genau erinnere. Aber es kann auch sein, daß es ein "Schutzmechanismus" im Kind ist, der schlimme Erlebnisse einfach irgendwie ausblendet - so beobachte ich es jedenfalls bei Vielen.


Lilo (20.4.09 10:36)
Liebe Ehrentraut,
mit Interesse habe ich Deinen Bericht gelesen.Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass Kindheitserlebnisse hängen bleiben.Auch wenn man sich an einiges nicht mehr erinnern kann, wird man unweigerlich oft damit konfrontiert.
Vieles, was mich heute irritiert, wird dann von meinen älteren Schwestern aufgeklärt.
Ich habe 4 Geschwister und wir waren alle im Heim.Ich war 2 Jahre alt und kam mit 3 Jahren zu Pflegeeltern.Mit 8 Jahren zu meiner Mutter zurück und lernte dann meine Geschwister kennen.
TROTZALLEDEM kann ich sagen, dass ich es mit netten Menschen zu tun hatte und keine bleibenden Schäden zurückblieben...außer kleine Irritationen....
Danke für Deinen Beitrag, er regt zum Nachdenken an.
Liebe Grüße von Lilo


Lilo (20.4.09 10:38)
Nachtrag:
auf dem Kinderbild, lachen ALLE Kinder.
Wie unbeschwert ist doch eine Kinderseele.....


Ihaveadream (20.4.09 12:38)
Ja, das stimmt zwar. Aber man muß ja nur etwas Witziges erzählen. Kinder kann man ziemlich schnell ablenken - so würde ich es eher auslegen.


Lilo (20.4.09 14:23)
So, habe ich es eigentlich auch gemeint, dass eine KINDerseele so leicht abzulenken ist...
Würden wir Erwachsenen trotzdem so lachen können, wenn uns Böses widerfahren ist ?
Wären wir auch so leicht abzulenken...?
Wir würden uns ...wenn überhaupt....ein Lächeln abquälen...


Ehra (23.3.13 09:06)
Ich markiere hier mal diesen Eintrag, um ihn schneller zu finden, wenn ich ihn mal suche.

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